RisE II – Research is Elementary

RisE II_LOGO weißer Hintergrund Buchstaben auseinander CorbelBei „RisE II – Research is Elementary“ rückt die Bildungsforschung selbst und ihren Umgang mit den Chancen und Herausforderungen im öffentlichen wie politischen Diskurs in den Vordergrund.

Aktuelles Working Paper: Enttäuschter Gestaltungswille?  Bildungsforschung im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit (2017)

Auf dem DGfE-Kongress 2014 in Berlin haben wir ein Poster zu RisE II präsentiert.

Projektbeschreibung

Die Bildungsforschung erfährt mittlerweile große mediale Aufmerksamkeit und wird verstärkt als Legitimationsinstanz für politische Entscheidungen herangezogen. Bildungsforscher/innen stehen daher zunehmend vor der Herausforderung, ihre Ergebnisse in Öffentlichkeit und Politik zu präsentieren. Dort werden ihnen nicht nur unterschiedliche Rollen zugeschrieben, sie selbst müssen sich mitunter zwischen Trivialisierung ihrer Ergebnisse, strenger Wissenschaftlichkeit und neutraler Zurückhaltung entscheiden.

Das Projekt RisE II fragt nach den Umgangsweisen von Bildungsforscher/innen mit den neuen Anforderungen:

  • Wie positionieren sich Bildungsforscher/innen als – wissenschaftliche, politische und öffentliche – Akteure?
  • Wie gehen sie mit den Ergebnisinterpretationen ihrer Forschung in Öffentlichkeit und Politik um?
  • Wie beschreiben und legitimieren sie ihren aufgewerteten Status?

In einem Mixed-Methods-Design wird unter wissenssoziologisch-diskursanalytischer Perspektive (Keller, 2011) das Verhältnis zwischen im öffentlichen Diskurs prominenten Fremdzuschreibungen und den Perspektiven von Bildungsforscher/innen analysiert. Mittels Fragebogen werden Bildungsforscher/innen zu ihrer Sicht auf die Beziehungen zwischen Bildungsforschung, Öffentlichkeit und Politik befragt. Anschließend werden Experteninterviews geführt, um ihre Positionierungen vertiefend zu explorieren. Die Untersuchung zielt darauf ab, die vorgefundenen Positionierungen zu einer Typologie zu verdichten (siehe Abbildung).

Anlage RisE II

Abbildung: Forschungsdesign RisE II

In einer vorangegangenen Analyse der medialen Rezeption der Berliner ELEMENT-Studie wurden Erwartungsmuster an Bildungsforscher/innen herausgearbeitet (de Moll, Riefling & Zenkel, 2014). Diese bilden als hypothetische Deutungen der öffentlichen Aufgaben von Bildungsforschung die Basis für die Expertenbefragung (siehe Abbildung). Die äußeren Pole möglicher Selbstsichten werden – so die forschungsleitende Annahme – von „Arbeitsteilung“ und „Lineares Verhältnis“ markiert.

Nach den beiden Erhebungsphasen werden die Erkenntnisse mit Studien der Wissenschaftsforschung, der Politik- und Gesellschaftsberatung (Weber, 2013; Gasteiger, 2013; Sitter, 2014; Mayntz, 2008) abgeglichen. Außerdem soll eine Typologie der Positionierungen von Bildungsforscher/innen in Öffentlichkeit und Politik entwickelt werden sowie  erfahrungsbasierte Empfehlungen zur positiven Trivialisierung (Stamm, 2006) von Forschungsergebnissen formuliert werden. Übergreifendes Ziel ist es, zu einer zielgerichteten Einspeisung von Erkenntnissen aus Studien der Bildungsforschung beizutragen.

Literatur

  • de Moll, F./ Riefling, M./ Zenkel, S. (2014): „Bin ich wohl etwas naiv gewesen“. Zur Rezeption empirischer Bildungsforschung in der Öffentlichkeit – Das Beispiel ELEMENT. In: Zeitschrift für Pädagogik, H 3.
  • Gasteiger, L. (2013): Zur Entstehung eines Feldes bildungswissenschaftlicher Evidenzproduktion als Grundlage evidenzbasierter Bildungspolitik. In Amos, K. u.a. (Hrsg.), Kultur – Ökonomie – Globalisierung. Baden-Baden, 133-153.
  • Keller, R. (2011): Wissenssoziologische Diskursanalyse. Grundlegung eines Forschungsprogramms. Wiesbaden.
  • Mayntz, R./ Neidhardt, F./ Weingart, P./ Wengenroth, U. (Hrsg.) (2008): Wissensproduktion und Wissenstransfer. Wissen im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Berlin.
  • Sitter, M. (2014): PISA als interdiskursiver Innovationsgenerator – Konsequenzen eines (bildungs-)kulturellen Ereigniskonstruktes. In: Weber, S./ Göhlich, M./ Schröer, A. (Hrsg.): Organisation und das Neue. Wiesbaden, 83-92.
  • Stamm, M. (2006). Bildung und Politik: getrennte Welten – schwierige Verhältnisse? In Dubs, R.u.a. (Hrsg.), Bildungswesen im Umbruch. Forderungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zürich, 327-340.
  • Weber, S. (2013): Wissenschaft, Politik und Praxis: Wer spricht? Dispositive der Relationierung im Feld der Politikberatung. In: Von Felden u.a. (Hrsg.): Erwachsenenbildung im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Praxis. Baltmannsweiler, 34-48.